Götz Wörner über die neuesten Entwicklungen beim Kulturpass
Ffm, 25.02.2010; Im Interview gewährt Götz Wörner einen Einblick in die Arbeit seines Teams und verrät, worauf Kulturpass-Inhaber in diesem Jahr gespannt sein dürfen.
Götz Wörner ist ein beschäftigter Mann. Einen Interview-Termin bei dem quirligen ehemaligen Musikproduzenten zu erhalten ist eine Herausforderung. Die vielen parallel laufenden Kulturpass-Projekte werden von zwei Mitarbeitern bereut. Ohne eigenes Büro kümmern sie sich um die vielfältigen Aufgaben die ein Vorhaben wie der Kulturpass mit sich bringt. Sie kennen die Schattenseite des Lebens aus eigener Erfahrung. Sie sind selbst Ein-Euro-Jobber. Damit ist der Kulturpass ein Selbsthilfeprojekt ebenso im Kleinen Persönlichen wie im Großen Sozialen für die gesamte Gruppe der ca. 2000 Kulturpass-Inhaber. Die Idee des Kulturpass’ – den Zugang zu Kultur auch Menschen mit kleinstem Budget zum symbolischen Eintrittspreis von einem Euro zu ermöglichen – wird beständig weiterentwickelt und um neue Kooperationspartner ergänzt. Erst jüngst wurde der Trägerverein „Kultur für ALLE e.V.“ im Rahmen des bundesweiten Innovationswettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet. Für jobfort.de Zeit zu fragen, was es Neues rund um den Kulturpass gibt.
Jobfort.de: Wie wird die Anmeldung bzw. Verlängerung des Kulturpasses in diesem Jahr aussehen?
Götz Wörner: Mittlerweile gibt es in Frankfurt zehn Ausgabestellen. Und es werden mehr hinzukommen. Am besten informieren sich Interessierte vorher auf unserer Webseite kuturpass.net über die aktuellen Ausgabestellen. Insbesondere erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit dem i-Punkt Katholischer Kirchenladen in der Frankfurter Innenstadt, in deren Räumen jetzt eine Verlängerung und Abholung möglich ist. Zur Beantragung eines Kulturpasses benötigt man nach wie vor einen Nachweis der Bedürftigkeit. Das kann der Frankfurt-Pass, der Grundsicherungs- oder der ALGII-Bescheid sein.
Jobfort.de: Wird es nächstes Jahr flächendeckend in den Stadtteilen Anmelde- bzw. Ausgabestellen geben?
GW: Hoffentlich, denn Frankfurt ist groß. Aber die potentiellen Partner müssen passen und die entsprechende Zeit finden. Besonders ist hier an die Zusammenarbeit mit Wohlfahrtsverbänden zu denken. Aber auch Quartiersmanager der Stadt Frankfurt empfehlen sich, ebenso wie Kirchenläden. Mit unseren bestehenden Kooperationspartnern sind wir bestens besetzt.
Jobfort.de: Welche Angebote werden am meisten genutzt?
GW: Zur Zeit läuft unter den Kulturpass-Verlängerern eine Umfrage über ihr Nutzungsverhalten im vergangenen Jahr. Eine finale Auswertung steht noch aus. Ich habe allerdings eine Vermutung, dass die Museen besonders stark genutzt werden. Seit neuestem gehören auch die Städtischen Museen dazu.
Jobfort.de: Was waren die Highlights des vergangenen Jahres?
GW: Die Musikmesse war bestimmt ein Highlight. Wir hatten ein Kontingent von 50 Tickets zur Verfügung. Ein weiterer Glanzpunkt war der Gastauftritt der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker in der Alten Oper. Auch die Botticelli-Ausstellung im Frankfurter Städel zählte zu den Höhepunkten 2009.
Jobfort.de: Was werden die Highlights dieses Jahres sein?
GW: Wir freuen uns, die Städtischen Bühnen dazu gewonnen zu haben, zu ausgewählten Veranstaltungen Kulturpass-Inhabern ein Kontingent Tickets an der Abendkasse anzubieten. Welche Veranstaltungen das genau sind, erfahren Interessierte auf unserer Homepage kulturpass.net. Allein im Januar und Februar sind es etwa 30 Veranstaltungen. Zu einem Preis von drei Euro kann an der Abendkasse die Eintrittskarte aus dem Kontingent erworben werden. Diese enthält dann auch ein RMV-Ticket für die Rückfahrt. Ebenso freuen wir uns, dass das Senckenberg Museum seine Türen zum traditionellen Kulturpass-Preis von einem Euro öffnet.
Jobfort.de: Wie wird Ihre Arbeit von Außenstehenden gewürdigt?
GW: Von den Medien gibt es positives Feedback. Auch bei den Kulturpass-Inhabern selbst kommt unsere Arbeit sehr gut an. Uns fehlen aber Sponsoren, Stiftungen und Förderer, die uns in unserer Arbeit unterstützen. Zum Beispiel brauchen wir dringend ein eigenes Büro. Zur Zeit sind wir in den Räumen der FALZ e.V. zu Gast. Das wird dem wachsenden Aufgabenfeld unseres Projekts nicht gerecht und ist auf Dauer keine Lösung. Von städtischer Seite gibt es leider noch keine Unterstützung. Obwohl wir gespannt auf die beginnende Zusammenarbeit mit dem Integrationsreferat sind.
Jobfort.de: Wie gestalten sich die Verhandlungen mit den Verantwortlichen für kulturelle bzw. Haushaltsfragen der Stadt Frankfurt am Main?
GW: Im indirekten Verhältnis, also z.B. bei Städtischen Bühnen und Museen, positiv. Im direkten Verhältnis sieht es jedoch – nicht zuletzt aufgrund der angespannten Haushaltslage – mau aus. Es gestaltet sich schwierig, in Zeiten der Budgetkürzungen als relativ neuer Verein gefördert zu werden. Das braucht Zeit.
Jobfort.de: Gibt es Projekte in der Zukunft, auf die Sie besonders gespannt sind?
GW: Wir werden in diesem Jahr ca. 150 Veranstaltungen im Programm haben. Wir werden uns besonders bei Großveranstaltungen bemühen, Sitzplatzkontingente zu erhalten. Häufig werden diese Großereignisse aber von internationalen Veranstaltern ohne lokale Kenntnis und Bindung organisiert. Diese kennen die Idee des Kulturpass noch nicht. Wir möchten sie dennoch mit einbeziehen. In der Vergangenheit hat das bereits einmal bei einem Udo Lindenberg Konzert geklappt.
Jobfort.de: Planen Sie, eine Liste aller Anbieter online zu stellen?
GW: Ja, die Liste wird bald geladen. Trotzdem sollte jeder unsere Homepage besuchen und sich informieren was wann wo geht.
(AK & fr )
Letzte Aktualisierung: Dienstag, 22. Juni 2010Weitere Artikel zum Thema:
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