Ffm, 30.06.2010; Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) errechnet bis 2025 eine Umverteilung von 1,5 Millionen Beschäftigten zugunsten unternehmensnaher Dienstleistungen.
Das IAB ist ein Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit (BA)
Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland ein Thema das Wahlen entscheidet. Der Arbeitsmarkt ist aus diesem Grund ein Forschungsfeld, auch wenn weniger bekannt ist, wie diese Forschung strukturiert ist. Und nicht jeder kennt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Das IAB ist ein Institut der Bundesagentur für Arbeit und beschäftigt rund 200 Wissenschaftler. Seine Aufgabe ist die Beratung der BA und des Ministeriums für Arbeit und Soziales. Das IAB, dessen Auftrag gesetzlich verankert ist, erstellt im Jahr eine Vielzahl von Publikationen. Am 24. Juni titelte das IAB in einer Presseinformation: „1,5 Millionen mehr Beschäftigte in unternehmensnahen Dienstleistungen bis 2025.“
Die Arbeitsmarktbilanz in der Langzeitprojektion bis 2025
Der Kurzbericht des IAB, auf den die Pressemitteilung hinweist, nimmt an, dass die Zahl der Erwerbstätigen bis 2025 weitgehend konstant bleibt, während in diesem Zeitraum das Potential der Erwerbspersonen um ca. 4 Millionen abnimmt. Somit geht die Unterbeschäftigung auf ein Viertel des heutigen Niveaus zurück. Innerhalb der Wirtschafts- Sektoren wird eine Umverteilung prognostiziert vom verarbeitenden Gewerbe zu unternehmensbezogenen Dienstleistungen, wo bis 2025 1,5 Millionen mehr Beschäftigte tätig sein sollen. In der Prognose nimmt die Zahl der Erwerbstätigen in den Sektoren Gastgewerbe, Immobilien, Kredit und Versicherung, sowie Gesundheit zu. Eine Abnahme der Beschäftigung errechnet das Modell für die Land- und Forstwirtschaft, das Verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe, die Energie- und Wasserversorgung, für den Markt der Gebrauchsgüter und KFZ, für Verkehr und Kommunikation, sowie in der öffentlichen Verwaltung und Verteidigung.
Eine Stagnation ergibt sich aus der Modellrechnung für die Sektoren Bergbau, Erziehung und Unterricht, sowie für häusliche Dienste.
INFORGE, ein Modell des IAB für Langzeitprojektionen
Wie können Aussagen getroffen werden über die zukünftige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bis zum Jahr 2025? Die Antwort klingt verblüffend einfach: Die Vorhersagen basieren auf gesammelten Daten. Diese stammen aus Umfragen der IAB, aus den Betriebsdaten der BA, vom statistischen Bundesamt und von der Bundesbank. Eine Langzeitprognose wird errechnet, indem ein gesamtwirtschaftliches Modellsystem, das INFORGE (INterindustry FORecasting GErmany), mit diesen Daten gefüttert wird, wobei geschätzte Rahmenbedingungen zugrunde gelegt werden. Ein zweites Modellsystem für den Welthandel wird mitgerechnet. Zu den geschätzten Rahmenbedingungen gehören das Wirtschaftswachstum, der Mineralölpreis, die Bevölkerungsentwicklung, die Arbeitszeit und der Sozialversicherungsbeitrag. Insgesamt werden ca. 600 Variablen für 59 Wirtschaftssektoren modelliert, um dann die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zu bilanzieren.
Was ist dran an der aktuellen Prognose ?
Jede Simulation ist nur so gut wie die zugrunde liegende Datenbasis. Natürlich steht und fällt die Prognose mit der Treffgenauigkeit für die abgeschätzten Rahmenbedingungen. Änderungen der weltweiten Rahmenbedingungen beeinflussen die Langzeitprojektion. Die IAB prognostiziert einen signifikanten Rückgang der Unterbeschäftigung auf unter 1,5 Millionen bis zum Jahr 2025. Für Ost und Westdeutschland werden unterschiedliche Gründe für diesen Rückgang genannt. Vorausgesetzt wird, dass es nicht aufgrund von Verzögerungen bei der Stellenbesetzung zu einem Mangel an Fachkräften kommt. Genau hier setzt die beratende Tätigkeit des IAB an. Die in der Projektion dargestellte Umverteilung von Beschäftigung liefern der Politik und der BA Ansatzpunkte zur Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen für Geringqualifizierte. Durch die Anerkennung von Qualifikationen die im Erwerbsleben erworben wurden, können Bildungssysteme durchlässiger werden um so einem drohenden Fachkräftemangel vorzubeugen.
Entwicklung und Forschungsauftrag des IAB
Ausgelöst wurde die Gründung des IAB 1967 innerhalb der BA durch die damals kontrovers diskutierte Automationsdebatte. Das IAB übernahm die Aufgabe für die Vermittlungs- und Beratungsdienste der BA wissenschaftlich fundierte Prognosen zu liefern. Seit 1969 ist sein Forschungsauftrag und seine Beratungsfunktion gesetzlich verankert, in den Gesetzen zu Arbeitsförderung und zur Sozialgesetzgebung. Nach der Wiedervereinigung wurden Beschäftigte des Zentralen Forschungsinstitut für Arbeit (ZFA) in Dresden übernommen. In den 90er Jahren wurden am IAB Modelle entwickelt, um die Wirkung politischer Maßnahmen auf gesamtwirtschaftlicher Ebene zu simulieren. Seit 2003 wurde die Belegschaft des IAB verdoppelt, unter anderem durch die Schaffung eines regionalen Forschungsnetzes an den Landesarbeitsämtern. Ein Forschungsdatenzentrum wurde gegründet, und mit der Einführung von ALG II (Hartz IV) im Januar 2005 erweiterte sich der Forschungsauftrag.
(bj)