Ein Projekt der GFFB gGmbH
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Preiswerte Lebensmittel für Arbeitsuchende und Geringverdiener
Knoblauch
Ffm, 28.07.2011; Für viele Erwerbslose mit schmalem Budget ist der Gang in den Supermarkt eine tägliche Verzichtsübung. Abhilfe schaffen private Initiativen. Der Staat lehnt sich zurück.

Die Idee ist nicht neu: Auf der einen Seite ein überquellendes Angebot an frischen, gesunden und schmackhaften Waren, während auf der anderen Seite viele Menschen sich diese nur noch schwer leisten können. Was im internationalen Maßstab kaum gelingt, wenn man sich die wirtschaftlichen Abhängigkeiten zwischen der westlichen Welt und den Armutsregionen anschaut, ist auf lokaler und regionaler Ebene zum Erfolgsmodell geworden: Die Umverteilung findet statt und wird angenommen. So könnte man die Bemühungen zusammenfassen, erwerbslosen Bewohnern der Stadt den Zugang zu sehr günstigen Lebensmitteln oder einem kostenlosen warmen Mittagessen zu ermöglichen.

 

Anbieter und Ausgabestellen

Lebensmittel des täglichen Bedarfs bietet in Frankfurt am Main in erster Linie die Tafel an. Der Schwerpunkt liegt hierbei in einer Auswahl an frischen Waren wie Brot und Brötchen, Obst und Gemüse. Aber auch verpackte Lebensmittel wie Joghurt, Käse und Wurst werden angeboten, so dass man in der Regel ein umfangreiches Potpourri unterschiedlicher Lebensmittel erhält. Für ein symbolisches Entgelt von einem Euro wandern diese in die mitgebrachte Einkaufstasche.


Elf Vergabestellen unterhält die Tafel in Frankfurt und in der Offenbacher Innenstadt. Um die in zweiwöchigem Turnus stattfindenden Lebensmittelausgaben nutzen zu können, ist die Vorlage des Frankfurt-Passes zwingend erforderlich. Erstkunden lassen sich eine Stunde vor Beginn der Ausgabe vor Ort registrieren und erhalten in der Folge einen Ausweis der Frankfurter Tafel e.V. ausgehändigt.


Alle Träger und Orte, die individuellen Angebote und die Öffnungszeiten sind hier aufgeführt.

 

Zusätzliche Angebote unterbreiten weitere Selbstinitiativen, kommunale oder religiös motivierte Helfer, unterstützt durch private Spender. Ein Frühstück, ein vergünstigter oder kostenloser Mittagstisch bis hin zum frischgekochten und sogar servierten Abendessen stehen zur Auswahl. Darüber hinaus werden in einzelnen Stellen Backwaren, belegte Brote oder Kaffee und Kuchen ausgegeben.

 

Gut besucht ist beispielsweise die Kaffeestube Gutleut im gleichnamigen Viertel. Jeden Tag finden bis zu 100 Gäste ihren Weg dorthin, um zu essen und um nicht alleine zu sein. „Hier werden alle mit Würde behandelt, auch wenn sie kein Geld haben oder kein Dach über dem Kopf“, bemerkt Johannes Herrmann, der ehemalige Pfarrer der Hoffnungsgemeinde im Bahnhofsviertel.

Im Stadtteil Fechenheim betreibt die GFFB seit 2006 zusammen mit dem Christlichen Zentrum Frankfurt e.V. das Projekt „Brot und Salz“, das im wöchentlichen Wechsel Lebensmittel oder ein zubereitetes Mittagessen bereithält.

Und in der evangelischen Wartburggemeinde in Bornheim werden neben einem kostenlosen Gemeinschaftsfrühstück auch Kleider abgegeben.

 

Brotlaib
Die Entstehung eines guten Gedankens

Bereits in den 1960er Jahren überzeugte der US-Amerikaner John van Hengel lokale Lebensmittelgeschäfte von seinem Vorschlag, überschüssige Waren der Kirchengemeinde St. Vincent de Paul in Phoenix/Arizona der Armenspeisung zur Verfügung zu stellen. Schnell übertrafen die Lieferungen die Erwartungen, woraufhin van Hengel in der Folge die food bank gründete, ihres Zeichens die erste Lebensmittelhilfe Nordamerikas. Im Jahre 1976 rief er America’s Second Harvest, eine landesweit tätige Hilfsorganisation, ins Leben. Es vergingen noch einige Jahre, bis 1983 in New York der Sozialdienst City Harvest seine Arbeit aufnahm, der durchaus als Vorläufer hiesiger Angebote gesehen werden kann. Auf dieser Grundlage begann zehn Jahre später die Erfolgsgeschichte der Deutschen Tafel.


Marktführer in Deutschland ist heute der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. mit zur Zeit mehr als 870 Ausgabestellen im Bundesgebiet. Mit Abstand folgen weitere Anbieter, die oftmals deutlich länger vor Ort wirken, aber bei weitem nicht dermaßen einheitlich und als wahrgenommenes Markenzeichen wie die allseits bekannte Tafel mit ihrer Fahrzeugflotte auftreten.

 

Der Notdienst als Regelfall?

In den letzten Jahren ist in den Medien manche Kritik lautgeworden. Bemängelt wird, dass sich der Staat durch das professionell anmutende Konzept der bundesweiten Tafeln zunehmend aus der Verantwortung zieht, indem er eigene Pflichten Drittanbietern, mithin dem freien Markt, überlässt.


Von Vorteil ist dieses Konzept zudem für die Lebensmittelmärkte. Anstatt sich um die teure Abfallbeseitigung unter Einsatz der eigenen Belegschaft kümmern zu müssen, profitieren sie von eben diesen Einsparungen. Gleichzeitig lässt sich diese Hilfe als Charity-Werbung der Öffentlichkeit darstellen. Ökonomisch betrachtet ist ein solches Modell unschlagbar.


Wenn nun aber die Selbstversorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln gefährdet ist, scheint der Regelsatz (zur Zeit sind 129,24 Euro/Monat für Ernährung vorgesehen) nicht ausreichend berechnet zu sein, so die Schlussfolgerung einiger Journalisten. Hierdurch wird die Frage aufgeworfen, ob die Tafeln letztlich dazu beitragen, dass sich Erwerbslose in ihrer Situation einrichten und in Passivität verharren: Denn Armut wird zementiert, wenn bedürftige Menschen von privaten Initiativen abhängig werden. So könnte es zur neuen Selbstverständlichkeit werden, die Bedürftigen sofort zu den Lebensmittel-Ausgabestellen zu schicken. "Zusammen mit dem Hartz-IV-Bescheid bekommen sie gleich einen Flyer der Tafeln ausgehändigt", meint der Soziologe Professor Dr. Stefan Selke von der Hochschule Furtwangen.


Dass dies keine hypothetischen Gedankenspiele sind, zeigen Beispiele aus Bochum und Berlin. Das Wirtschaftsmagazin brand eins berichtete in seiner Ausgabe 05/2009 davon, wie in der ehemaligen Bergbaustadt Leistungsempfängern die Zuwendungen zum Lebensunterhalt reduziert wurden. Die Begründung: Sie könnten sich ihr Essen ja bei der Tafel holen. Mitarbeiter des Jobcenters in der Hauptstadt kamen auf die Idee, Bedürftigen in einer akuten Notlage anstelle von Überbrückungsgeld einen Zettel mit den Öffnungszeiten von „Laib und Seele“ in die Hände zu geben.


Dies sind zwar einerseits nur erste Beispiele, doch sie deuten auf eine mögliche Entwicklung hin, die die Tafeln als sozialpolitisches Instrument zum Erfüllungsgehilfen einer staatlichen Fürsorgepflicht funktionalisieren.


Tomaten
Fazit

Diese kritischen Überlegungen sollten Sie jedoch nicht davon abhalten, sich um Ihr Wohlergehen zu kümmern. Wenn an den großen sozial-ökonomischen Stellschrauben nicht beziehungsweise nur langsam gedreht werden kann, gilt es, die vorhandenen Angebote gewinnbringend zu nutzen und in das eigene Leben zu integrieren. Eine frisch zubereitete Gemüsepfanne oder ein Stück Obst dienen stets der eigenen Gesundheit. Dass die Speisen bisweilen aus Spenden statt aus eigenen Geldmitteln stammen, ist bei dieser Abwägung eher als sekundär zu betrachten. Vor dem Hintergrund, dass jährlich 300 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf von den Konsumenten in den Industrieländern auf dem Müll landen, ist die Umverteilung vor Ort zweifelsohne als ethischere Variante zu favorisieren.


Lassen Sie sich Ihren Appetit nicht verderben!

(AT)

Letzte Aktualisierung: Freitag, 6. Januar 2012